„Hand in Hand“ gegen Vorurteile

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Vorurteile abbauen und sich gleichzeitig  sozial engagieren: Das Projekt „Hand in Hand“ des Kinder- und Jugendzentrums Weingarten verbindet beides in unterschiedlichen Aktionen, initiert Begegnungen und Austausch. Die Idee dazu entstand als Reaktion auf Diskriminierungs- und Ausgrenzungserfahrungen der Jugendlichen im Bezug auf ihren  Migrationshintergrund, ihre Staats- oder Religionszugehörgkeit. Einmal im Monat findet eine Aktion statt, welche die Teilnehmer in Pflegeheime und Jugendzentren, ins Kinderdorf oder Mehrgenerationshaus und zum Caritas führt. Die Jugendlichen werden im Gegenzug mit Weiterbildungen unterstützt und für ihr Engagement mit Ausflügen belohnt.

Gestartet wurde das Projekt „Hand in Hand“ mit dem Besuch in einem Seniorenheim:

„Bujar und ich haben am 1.07.2014 mit den Jugendlichen Ceren, Doğukan, Ayhan, Kure, Alen, Aynur, Besian, Okan und Recai das Pflegeheim Sankt Marienhaus in der Talstraße 29 besucht.
Da am 28.06.2014 Ramadan, die Fastenzeit der Muslime begonnen hatte, war es die ideale Zeit durch ehrenamtliche Arbeit etwas Gutes zu tun. Wir kontaktierten viele soziale Einrichtungen um Termine festzulegen. Als ich am 29.06.2014 einen festen Termin bekommen hatte, haben wir uns sehr darüber gefreut und so starteten wir unser Projekt. Wir trafen uns am Kinder- und Jugendzentrum Weingarten und fuhren gemeinsam zum Sankt Marienhaus. Hier wurden wir sehr zuvorkommend und höflich von Frau Müller und den pflegebedürftigen Menschen empfangen.
Als Erstes bat ich die Jugendlichen sich vorzustellen. Unsere Gastgeber fragten uns, aus welchen Ländern wir stammen. Anschließend sangen uns unsere Gastgeber Lieder vor und wir klatschten dazu. Die Jugendlichen erzählten von ihrer Heimat, Religion und Kultur. Sie zeigten verschiedene Kopf- bedeckungungen, Gebetsketten, Schmuck, Wandteller im osmanischen Stil und den Koran auf Deutsch, der am Ende des Tages dem Pflegeheim geschenkt wurde. Die Jugendlichen gingen selbständig auf die Menschen zu, unterhielten sich mit ihnen, stellten Fragen und gaben Antworten. Außerdem brachten sie die Menschen zum Lachen, halfen beim Aufstehen und Hinsetzten und brachten ihnen  etwas zu trinken. Wir haben auch einen Teil der türkischen Nationalhymne vorgetragen und Kure brachte den Bewohnern einen Vers aus dem Koran näher, übersetzte ihn ins Deutsche und erklärte, wie er im Arabischen ausgesprochen wird. Zum Abschluss machten wir mit Einverständnis der Senioren gemeinsame Bilder. Die Jugendlichen halfen beim Abbau und beim Hineinbegleiten der älteren Menschen.
Alle waren sehr zufrieden und wir bekamen das Versprechen, gerne wieder zu Besuch kommen zu dürfen. Einige Damen, die in der Runde mit uns saßen, kamen am Ende auf mich zu und sprachen ihren persönlichen Dank aus. Vor der Tür verabschiedeten wir uns schweren Herzens, da es allen sehr gefallen hat und die Jugendlichen bekamen ein großes Lob von unserer Ansprechpartnerin Frau Müller.“

Gülperi Sirvan, ehrenamtliche Mitarbeiterin und  Bujar Qoraj,
Mitarbeiter der Einrichtung

Besuch Seniorenheim und Fastenbrechen

Es folgten weitere Aktionen:

  • Mithilfe bei der Aktion „Freunde der Straße“, bei der die Jugendlichen beim Empfang und bei der Essenausgabe geholfen haben und sich mit den Besuchern unterhielten
  • Eine eigenständige Aktion in der Innenstadt von Freiburg, bei der die Jugendlichen an Obdachlose Brot, Brezeln und süße Teilchen verschenkten und mit ihnen ins Gespräch kamen
  • Besuch bei der Freiburger Tafel, um zu erfahren, was die Tafel leistet und bewirkt

Bürgerschaftliches Engagement zeigten die Jugendlichen zuletzt bei der stadtweiten Müllsammelaktion „Freiburg putzt sich raus“ am vergangenen Samstagvormittag, den 28. Februar 2015 und verschönerten damit den eigenen Stadtteil.

Autorin: Karin Seebacher, Leiterin des Kinder- und Jugendzentrums Weingarten

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