„Freiburg miteinander“, Nachbarschaftswerk e.V.

Das „Freiburg miteinander“ vermittelt seit gut 5 Jahren Kinder und Jugendliche in Patenschaften mit engagierten Erwachsenen aus Freiburg. Vor circa 3 Monaten erreichte mich ein Bericht der Patin K.

Liebe Frau Haßler,

als A. und ich uns kennengelernt haben, war er knapp sechs Jahre alt und lebte in einer Welt, die durch die Ängste seiner Mutter sowie seine eigenen unfassbar stark eingeschränkt wurde und die zudem durch seine Sprachschwierigkeiten begrenzt war. Obwohl er in Freiburg geboren wurde, war er noch nie im Freiburger Münster oder in der Stadtbibliothek gewesen. Vor Tieren, anderes aussehenden Menschen und ihm neue Situationen hatte er Angst. Er traute sich nicht, beim Spielplatz im Seepark die Rohrrutsche herunterzugleiten oder beim Schwimmbad ins Wasser zu springen. Mit knapp sechs Jahren hatte er noch nicht die Gelegenheit gehabt, Fahrrad fahren zu lernen oder im Winter die Freude zu erleben mit einem Schlitten den Hang hinunter zu sausen.
Schon am ersten Tag habe ich seine Hemmung mit mir zu sprechen und seine Angst die Rutsche zu besteigen und herunterzukommen überwinden können, indem ich mich selbst durch die kindergroßen Löcher durchgequetscht habe, um nach oben zu kommen, und dann meine eigenen Bedenken überwunden, um herunter zu sausen.
In der Zwischenzeit habe ich ihm geholfen, Fahrrad fahren zu lernen und zu schwimmen.  A., das Kind, das sich am Anfang nicht mal bis zum Knie ins Wasser gewagt hat, springt nun mit Freude vom 3 Meter Brett. Und dabei habe ich sogar meine eigene Abneigung gegenüber Schwimmen—weil das Wasser mir immer zu nass war– abgelegt.
Zusammen haben wir gebacken, Museen besucht, den Aussichtsturm auf dem Schlossberg bestiegen, Basketball, Fußball, und Frisbee gespielt und die Erdmannshöhle in Hasel erlebt. Im Winter haben wir Schneeballschlachten veranstaltet und sind Schlitten gefahren und Schlittschuh gelaufen.  Als wir vor drei Jahren in Hinterzarten zum Schlittenfahren und Zuschauen beim Skisprungtraining waren, war das in vielerlei Hinsicht eine Premiere für A.: zum ersten Mal war er in den Bergen, zum ersten Mal hat er Skispringen gesehen, und zum ersten Mal war er anschließend in einem Restaurant , wo er erlebt hat, wie man sich in einem Restaurant benimmt (Kakao bestellten, am Tisch sich benehmen, und am Ende selbst bezahlen).
Für A. hoffe ich, dass er weiterhin auf  die neu gewonnenen Erkenntnisse und Fähigkeiten, sowie auf sein erweitertes Verständnis der Welt und das Gefühl der Selbstsicherheit aufbauen kann.

Viele Grüße,
K.

Anmerkung: Der Bericht musste aus redaktionellen Gründen gekürzt werden.

 


Autorin: Sylvia Haßler (Diplom-Pädagogin, PH), Projektleiterin „Freiburg miteinander“, Nachbarschaftswerk e.V.

 

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