Allgemeine Sozialberatung – Eine Unterstützung von Eltern für gelingende Bildungslaufbahnen?!

Im Stadtteil Weingarten leben ca. 10.000 Bewohner aus über 80 Nationen. 51 % der Einwohner Weingartens haben einen Migrationshintergrund. Viele Familien im Stadtteil Weingarten leben von Transferleistungen und/oder haben Arbeitsstellen im Niedriglohnsektor. Sie müssen mit sehr knapp bemessenen finanziellen Mitteln den Lebensunterhalt bestreiten. Die immer komplexeren Zusammenhänge zwischen den einzelnen Behörden und Ämtern bei der Sicherung des Lebensunterhalts überfordern viele Menschen. Bei Menschen mit Migrationshintergrund kommen noch Sprachschwierigkeiten, Unkenntnis und/oder Berührungsängste hinzu. Es werden gesetzliche Ansprüche nicht gelten gemacht oder fehlerhafte Bescheide nicht erkannt. Die finanziellen Spielräume werden unter Umständen noch geringer.

Diese schwierigen finanziellen Lebensumstände beeinflussen gerade auch Kinder und deren Entwicklung. Der alltägliche Kampf der Eltern um die Existenzsicherung der Familie nimmt viel Zeit und Kraft in Anspruch. Den Bedürfnissen der Kinder bei der besonders wichtigen Grundschulentwicklung können diese Eltern häufig nicht in vollem Umfang Genüge leisten. Kinder aus sozial schwachen Familien haben weniger Chancen auf einen höheren Bildungsabschluss, wie die Pisa Studie 2007 deutlich gezeigt hat. Aus Sicht der Allgemeinen Sozialberatung ist einer der Gründe eine regelmäßige Überforderung der Eltern bei der Existenzsicherung.

Aufgrund dieser Ausgangslage haben die Fachkräfte des Nachbarschaftswerk das bereits bestehende Tätigkeitsfeld Sozialberatung in das Konzept „Lernen im Quartier“ in einem ganzheitlichen Sinne integriert, um die Bildungschancen von sozialbenachteiligten Kindern im Stadtteil zu erhöhen.  Zentral steht dabei der Gedanke im Mittelpunkt, dass eine Unterstützung und Entlastung von Eltern bei der Existenzsicherung auch eine Unterstützung der Kinder durch die Eltern im schulischen Bereich befördern  kann. Hierzu sind notwendige niedrigschwellige Zugänge von regelmäßigen offenen Sprechstunde über Hausbesuche bis zu Informationsvorträgen zum Thema Sozialrecht an der Adolf Reichwein Grundschule geschaffen worden.

Ziel der Allgemeinen Sozialberatung ist es, Eltern bei der komplexen und oft den Alltag bestimmenden Existenzsicherung zu beraten und zu unterstützen, damit Eltern die notwendigen zeitlichen Ressourcen und gedanklichen Kapazitäten zu Verfügung stehen, sich der schulischen Entwicklung der Kinder entsprechend den Bedürfnissen widmen zu können.

In der Allgemeinen Sozialberatung stehen alltagspraktische Anliegen der Menschen zur Existenzsicherung, wie
– Fragen zu Sozialgesetzen: SGB II, SGB XII (ALG II, Grundsicherung)
– Fragen zu Wohngeld, Kinderzuschlag, Kindergeld, Elterngeld
– Fragen bei Überschuldung, Pfändungen, Eidesstattlichen Erklärungen
– Fragen bei Umzug, Wohnungssuche, Stromabschlagszahlungen
– Ausfüllhilfen bei unterschiedlichsten Formularen und Anträge
– Fragen zu Gesundheit, Krankenkassen, Kurbeantragung
– Fragen Aufenthaltsstatus bei Menschen mit Migrationshintergrund
im Vordergrund.  Häufig sind die Anliegen komplexe Fragenstellungen die aus
einem Mix  aus obengenannten Fragen bestehen.
Bei einer länger andauernden Allgemeinen Sozialberatung kann es zu einer tiefergehenden vertrauensvollen Arbeitsbeziehung zwischen KlientInn und BeraterIn kommen. Dadurch werden eventuell auch Erziehungs- und Partnerschaftsprobleme durch den Klienten angesprochen. Hier steht dann die Vermittlung zu anderen Stellen im Vordergrund (Schulsozialarbeit, Erziehungsberatungsstellen, Rechtsanwälten, Sozial- und Jugendamt, Versorgungsamt). Bei allen relevanten Behörden, Ämter und Einrichtungen haben die Fachkräfte der Sozialberatung Kontakte und kennen Ansprechpersonen.

Autor: Dieter Ebernau M.A., Dipl. Sozialpädagoge (FH), Nachbarschaftswerk e.V.

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